In einem dunklen Wald gab es einmal eine Königin, deren Herz so schwarz war, wie die Mitte des Waldes. Jedes kleine Bisschen,
das sie in die Finger bekam, wollte sie haben. Sie wohnte in einem Palast, der aus Knochen bestand. Genau gegenüber des
schwarzen Waldes war eine Blumenwiese. Lange Zeit dachte man, dass das Licht, das im Wald fehlte, auf dieser Wiese gelagert werde.
Auf dieser Wiese wohnte das Gegenteil der schwarzen Königin: ihre Schwester, die Weiße Königin. Ihr Herz war voller Liebe.
Lange Zeit glaubte man, dass die Liebe, die der Schwarzen Königin fehlte, in ihrem Herzen gelagert werde.
Es gab lange ein Problem: Es war so, dass der Hass der Schwarzen Königin größer war, als die Liebe der Weißen Königin.
Eine arme Müllerstochter, die sich nichts sehnlicher wünschte, als eine Prinzessin zu sein, war in der Obhut der Weißen Königin.
Eines Tages ließ die Königin sie zu sich rufen. Sie kam zu ihr, und fragte: “Was wollt ihr?” Die Königin antwortete: “Ich möchte dich zur
Ritterin machen. Es wird bald der Tag kommen, an dem meine Schwester versuchen wird, das Weiße Reich zu vernichten. Wir müssen
auf diesen Tag vorbereitet sein. Du wirst gegen das Schwarze Reich kämpfen. Miene Schwester wird ein Wesen erschaffen, das so böse
ist wie sie selbst. Drei Dinge musst du finden, die dir helfen werden das Wesen zu besiegen. Es ist ein Schlüssel, auch der Schlüssel der
Herzen genannt, denn wer ihn besitzt, kann alles Böse halb so böse machen, und macht aus der Hälfte des Bösen Liebe. Ein Schwert,
mit ihm wirst du das Wesen erschlagen, denn es ist schärfer als alle Schwerter dieser Welt, und ein Fläschchen; der Inhalt gibt dir Kraft.
Du hast 12 Tage Zeit. In 13 Tagen ist der Kampf.” Zwei Augen eines völlig verdatterten Mädchen schauten sie verblüfft an.
“Ähähm … i, i, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll… Warum ich?”, fragte sie. Die Königin antwortete: “Weil du die Richtige bist!”
“Ok … ich werde die drei Dinge suchen!”, entschied die Müllerstochter. Also machte sie sich auf den Weg.
Sie ging über Berge und durch Täler. Sie überquerte Flüsse und ging durch Höhlen und irgendwo auf einer Wiese, fand sie eine
wunderschöne Blume. Die Müllerstochter war ganz bezaubert von ihr, und pflückte sie, um sich weiter an ihr zu freuen. Als sie so in
ihrer Hand lag, verwandelte sie sich in einen silbernen Schlüssel. Sie legte ihn in ihre Tasche, und zog weiter. Sie ging durch Dörfer
und Wälder; über Wiesen und Felder. Da fand sie auf einer Lichtung einen kleinen Vogel. Er lag auf dem Rücken, und zappelte mit
seinen kleinen Beinchen. Sie eilte zu ihm, nahm ihn in ihre schützenden Hände. Sie streichelte ihn, worauf er immer ruhiger wurde
und sein Zappeln weniger. Auf einmal bewegte er seine Flügel, und flog davon. Als er nicht mehr zu sehen war, fand die Müllerstochter
ein kleines Fläschchen auf dem Platz, auf dem der Vogel gelegen hatte. Eine silbrige Flüssigkeit befand sich darin. Vorsichtig packte das Mädchen
die Flasche zu dem Schlüssel in die Tasche. Es waren jetzt 7 Tage vergangen. Sie reiste weiter, ganze drei Tage lang, da kam sie am Meer an.
Ganz erschöpft legte sie sich an den Strand, und schlief ein. Sie träumte von einem Delfin. Er hatte etwas im Mund; etwas silbriges.
Er legte es am Strand ab. Jetzt erkannte sie den Gegenstand: Es war ein Schwert. In ihrem Traum legte sie es zu den anderen Sachen. Als sie
aufwachte, merkte sie, dass ihre Tasche viel gefüllter war als vor dem Schlaf mit dem wunderbaren Traum.
Sie schaute hinein – da entdeckte sie das Schwert von dem sie geträumt hatte. Da war auch der Strand und das Meer, und weit draußen
im Meer war die Rückenflosse eines Delfins zu sehen.
Glücklich und voller Zufriedenheit trat sie die Heimreise an. Drei Schritte war sie Gegangen, als sie einen Windzug spürte. Da merkte
sie, wie die Landschaft an ihr vorbei rauschte. Nach gerade mal einer Minute stand sie vor der weißen Königin. Die Müllerstochter war
überrascht, und wunderte sich, dass sie so schnell wieder zuhause war. “Gute Arbeit!”, meinte die Königin, als sie die drei magischen
Dinge sah, “Du hast alles gefunden. Ich bin stolz auf dich. Du musst jetzt gleich noch kämpfen üben. Theobald, der beste aller Ritter,
wird dich alles lehren, was du wissen musst. Du wirst gut vorbereitet sein. Darauf wette ich.” Das Mädchen wurde zu Theobald gebracht.
Dort übte sie zwei Tage und eine Nacht. In der zweiten Nacht rief die Königin sie zu sich. “Und jetzt gehe und ruhe dich aus. Morgen wird ein
harter Tag.” , sagte sie. Am nächsten Morgen ging das Mädchen sehr früh in das Zimmer der Königin. Auch diese war schon wach. Sie polierte
gerade eine silberne Rüstung. “Hallo, bist du bereit? In der zwölften Stunde dieses Tages werden wir uns am Grauen Platz einfinden.”
“Was ist der Graue Platz?” fragte die Müllerstochter. Die Königin erklärte knapp: “Der Graue Platz ist der Platz zwischen Wald und Wiese.”
“Stimmt, ich bin auf der Reise darüber gelaufen.”, erinnerte sich das Mädchen.
Die Stunden vergingen.
Endlich legte die Müllerstochter die Rüstung an, steckte das Schwert in die Scheide und fädelte eine Kette durch den Schlüssel, und band
sie sich um. Sie war bereit für den Kampf. Das Fläschchen nahm sie auch mit. Sie ritt neben der Weißen Königin -beide auf weißen Pferden über
die Wiese. Am grauen Platz angekommen, stiegen sie ab. Eine in schwarz gekleidete Person erreichte die gegenüberliegende Seite des
Platzes. An einer Eisenkette führte sie einen riesigen Drachen – ein schwarzer, hässlicher, hasserfüllter Traum- das Wesen, das den Machenschaften
der schwarzen Königin entsprungen war. Dieses Ungetüm sollte die Müllerstochter erschlagen. “Sei gegrüßt Schwester.” sagte die Schwarze
Königin stur und unanwesend. “Sei gegrüßt.”, erwiderte die Schwester.
Dann ging es los. – Die Schwarze Königin lies die Bestie los. Sie erhob sich in die Lüfte, und machte sich bereit zum Angriff. Die Müllerstochter
öffnete das Fläschchen und trank den Inhalt. Als der Drache sich auf sie stürzte, konnte sie ihn mit dem Schwert abhalten. Er zischte. Da nutzte sie
die Gelegenheit, und schnitt dem Biest die Zunge ab. Sie eilte auf eine Turmruine, der Drache wusste nicht, wo sie war.
Beschäftigt mit seinem Schmerz hatte er sie aus dem Blick verloren, und hielt den Rücken ihr zugewandt. Da nahm sie Anlauf, sprang
zu ihm herab, und schlug ihm im Sprung den Kopf ab. Sie landete auf einem weichen Untergrund. Es waren die Arme der Weißen Königin.
Die Königin hatte sie aufgefangen. Die Drachentöterin erfasste den Schlüssel, der an ihrem Hals hing, und wies mit ihm auf die schwarze
Königin. Diese kauerte sich vor Schmerzen zusammen. Nach vielen vielen Jahren spürte sie zum ersten Mal ihr Herz wieder.
Nun wurde die Müllerstochter von der weißen Königin zur Prinzessin der Schwerter ernannt.
Die Schwarze Königin lies endlich Licht in den Wald. Die Prinzessin der Schwerter tötete noch viele weitere Drachen im Land.
Nur einer blieb verschont – ein ganz Lieber- aber das ist eine andere Geschichte, und sollte an anderer Stelle erzählt werden.
Und wenn sie nicht gestorben ist, dann sind auch noch in der heutigen Zeit die Drachen in Gefahr.
- ein Märchen von Ella
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