Grüße aus Berlin – ein Reisebericht rund um die Ausstellung #Dialog_der_Kulturen no.4

#Dialog_der_Kulturen 

 

Das war eine Tour – sag´ich euch:

Mit Chor und Kunst zur Landesvertretung in die Ministergärten!

Eine Woche ist es nun her, als wir uns Samstags nach unserem Auftritt auf der ´Liedertafel´ in Niederbexbach zusammen auf die Reise nach Berlin machten.

Nach der viel zu kurzen Nacht im Bus, durch die uns der Fahrer Siggi aus Eppelborn mit sicherem Lenkrad und stählernem Nervenkostüm gekarrt hat, wurden wir geweckt von einer engelsgleichen Darbietung des Lieds „Schläft ein Lied in allen Dingen“ von unserem Wahlsolisten Firas. Und bei den ersten Sonnenstrahlen, die durch die Fenster blitzten haute er gleich noch „Die Sonne tönt“ raus – womit Nacht Nr. 1 ihr offizielles Ende.

In Berlin angekommen wurden wir dann vom Berlin Marathon begrüßt – oder aufgehalten, wie man´s nimmt. Die Übertretungen der Straßenverordnungen, die in diesem Zusammenhang von Seiten einiger Mitreisender begangen wurden, möchte ich an dieser Stelle (auch in eigenem Interesse) nicht tiefgreifender schildern 😮

Spätestens beim Eintreten in das Hotel war klar, dass die Arbeitskammer nicht nur bei der Wahl des Busfahrers Geschick bewiesen hatte.
Das Hotel war perfekt.

Die Lage: unmittelbar am Moritzplatz; Ausstattung: Neuwertig mit Geschicke und Geschmack;
Frühstück: solide Auswahl in Bioqualität, vieles mit fair trade Siegel.

Das Beste aber war das Personal: ich habe noch nie ein freundlicheres, herzlicheres Personal erlebt in einem so großen Haus.
Motel One kann man weiterempfehlen, auch wenn man kein Geld für Schleichwerbung bekommt 😉

Vor Ort wartete schon Susanne, die SR-Redakteurin auf uns, die wir uns von Seiten der Bildenden Kunst-Schaffenden sofort mal gekrallt haben, um unseren ersten Tag zu dokumentieren. Und los ging´s: Völlig übernächtigt stürzten wir uns ins sonntägliche Hauptstadtgewühl. Dabei machten erstaunlich viele Wege zu Fuß. Das ein- oder andere mal waren wir sicher zu verschlafen, um zu protestieren. Nach langem Suchen fanden wir … immer noch keine brauchbar ruhige Location für die Filmaufnahmen. So gab es als Ausbeute zwar wunderbare Bilder, aber die geplanten Interviews waren nur teilweise zu gebrauchen.

Das offizielle Ende des ersten Tages spannte sich über die Zeit zwischen 21:00 und 3:30 Uhr.
Am Montag Morgen um 7:00 Uhr MEZ ging es dann weiter – laut Plan. Details werde ich an dieser Stelle aus Diskretionsgründen verschweigen, jedenfalls war es für alle alle beteiligten ein entsprechend chaotischer Tag mit Höhen und Tiefen – aber mit Sicherheit einer, den niemand aus der Gruppe missen wollte. Die bildenden Künstlerinnen und Künstler brachten die Kunst vor Ort und bauten auf, während der Chor eine Stadtrundfahrt mit anschließendem Besuch im Reichstag unternahm.
Um mich kurz zu fassen: Ralf und ich waren vorzeitig um 10 vor 6 in der Landesvertretung. Um 18 Uhr war der Beginn der Veranstaltung geplant.

Um 5 Minuten nach 6 kamen die restlichen teilnehmenden Künstler_innen an. Welchen Aufwand diese vernachlässigbare Verzögerung zu bedeuten hatte, welche turbomässige Geschwindigkeit beim Umziehen und aufhübschen, welches Drama zwischendurch (ja, es gab beinahe Tränen, zumindest aber einen markerschütternden Wutanfall, der glücklicherweise dem arabischsprachigen Teil der Gruppe vorbehalten war.)

Um 18:20 waren wir dann alle – wirklich ALLE im Veranstaltungsraum, und konnten den weiteren Verlauf der Vorträge und Chorbeiträge gemeinsam verfolgen 😉 – der, nebenbei bemerkt, nicht besser hätte sein können.
Ich bin überzeugt, dass wir – gerade durch die Unwägbarkeiten dieses Tages und die dadurch verursachte Verunsicherung – einen Ausdruck auf der Bühne zeigten, der so ziemlich alle tief berührte. Ein bestätigendes wie schönes Feedback dazu machte Tobias, der Journalist von der SZ, der uns begleitet hatte. Er fragte uns, ob wir denn viele Verwandte in unserer Gruppe hätten. Das wirke alles so unglaublich familiär.
Beim genauen Hinsehen hätte man am nächsten Tag erkennen können: wir schwebten alle ein kleines Stück – nur wenige Millimeter – über dem Boden.

Nach einem wunderbaren Frühstück schwebten wir in die Landesvertretung, um alles wieder in den Anhänger zu packen, und dann flatterten wir – berauscht von dem Gefühl, etwas wunderbares erreicht zu haben, mit Sack und Pack ins großartige Bildungszentrum der IG-Metall.
Dort hatte der Direktor ´die Ehre´, uns das Anwesen zu zeigen. Im Nachhinein erinnere ich mich ganz deutlich, dass die Blätter an diesem Tag besonders grün waren, die Erde ausgesprochen schwarz und saftig, der Himmel von betörendem Blau, die Schwäne auf dem Pichelsee waren – also das liest sich so, als wäre etwas illegales im Spiel gewesen, ich weiß. Aber ich kann versichern, es war der kollektive Rausch des Ruhms, der uns beschwingte, und uns frühestens am nächsten Tag sanft dem Boden zurück gab.
Am Dienstag Nachmittag trennten Ralf und ich uns schweren Herzens vom Rest der Bande, die sich von Siggi nach Hause fahren ließen.
Wir hängten noch ein paar Tage dran, weil wir uns schon im Frühjahr zu einer anderen Fahrt nach Berlin angemeldet hatten.
So kamen auch wir beide noch zu unserer Führung durch den Reichstag. Am Freitag gab es Mittagessen in der Landesvertretung, wo ich den Leiter der Landesvertretung unter vier Augen auf unsere Belange in der ´Integration´ansprechen konnte. Er kannte die Punkte aber schon alle, und versicherte mir, dass die Lobbyarbeit der Ehrenamtlichen in die Gänge kommt.
Die Punkte, die der Chor im bei der Besichtigung des Reichtags angesprochen hatte. Hat sich alles schon rumgesprochen, und zieht jetzt seine Kreise.
Es ist ein gutes Gefühl, wenn man weiß, man ist in Kontakt, wird gesehen, und kann etwas bewirken.

So klappt das mit mit dem ´wir´ – und das ´schaffen´ ist eh nicht so das Problem 🙂

 

 

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