die historischen Grabmale auf dem Limbacher Friedhof: das Grabmal Weber

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Seit letztem Jahr läuft das Projekt: Erhaltung der historischen Grabmale auf dem limbacher Friedhof.hier hat der homburger  Bildhauer Carl Lehmann einige wunderbare Denkmäler geschaffen, die es für die Nachwelt zu erhalten gilt.

Die Kirchengemeinde finanziert mithilfe von Spenden die Arbeiten an den Steinen, die als Zeitdokument von Limbacher Familien erzählen.

Gerd Imsweiler, ehemaliger Ortsvorsteher von Kirkel-Limbach hat dazu den folgenden Artikel verfasst:

(Fortsetzung von „Historiche Grabmale Limbacher Friedhof“ – gesamtes Dokument zum download:

07_01_11 Art.-Vorschlag Webergrabmal)

Nächstes Projekt soll das Webersche Familiengrab auf dem ehemaligen Friedhof hinter der prot. Kirche sein.

Wenn das Wetter es zulässt, werden die Steinmetze demnächst mit der Arbeit beginnen. Richard Weber, der Chef der Karlsbergbrauerei, hat sich im Beisein seiner Schwester Sibylle bereiterklärt, mit einer namhaften Summe die Arbeit zu unterstützen. Er tut dies als Mitglied der Webersippe, aber auch aus der Überzeugung, dass dieses Grabmal eines der wenigen noch erhaltenen steinernen Zeugnisse einer Familie, die im 19. Jahrhundert die Historie Limbachs beeinflusst hat, ist; außerdem hat sie mit dem Brauereigründer Christian Weber, Richards und Sibylles Urgroßvater, und dem Kunsthistoriker Wilhelm Weber, dessen Großvater Karl Weber Cousin Christians war, Persönlichkeiten hervorgebracht hat, die exemplarisch gewirkt haben, daher es wert sind, nicht vergessen zu werden.

Die Webers waren im 19. Jahrhundert die wohlhabendste und wohl einflussreichste Familie im Ort. Ihr Familiengrab widerspiegelt diese Bedeutung: zum einen von der Größe her – Es misst in Höhe und Breite 2,20 m – zum anderen wegen des exquisiten und reichhaltigen Dekors. Beides konnte sich nur eine Familie leisten, die die materiellen Voraussetzungen besaß, eine solch anspruchsvolle und aufwendige Arbeit in Auftrag zu geben, außerdem nach außen dokumentieren wollte, welche Stellung sie in der Bevölkerung einnahm.

Ihr Auftreten im Ort entsprach dem: Die Webers fuhren seit 1868 mit ihrem Landauer (vierspännig) bzw. mit ihrer Halbchaise (zweispännig) aus, „gingen“ sie auf die Jagd, stand ihnen ein Jagdwagen zur Verfügung; sie leisteten sich dazu fünf Kutschpferde; gelegentlich feierten sie Feste, die im Ort Tagesgespräch waren. Das war die eine Seite. Andererseits schotteten sie sich vom Dorfleben nicht ab, sie mischten sich ein: Friedrich Otto (1843-1904), der Landwirt, saß jahrzehntelang im Gemeinderat und im Bezirkstag, der schon erwähnte Karl (1846-1932), der Müller, war Mitgründer des MGV 1875, Ehrenmitglied und Sponsor, auch des TV und der Kirche, der die Familie zwei Abendmahlskelche, außen silbern, innen golden, zum Geschenk machte; ihre Frauen kamen allerdings von auswärts, von Familien, die ihnen ebenbürtig waren. Der Sohn Karls heiratete Pauline Knerr aus Reiskirchen, welche 1918 die Mutter des später so bekannten Wilhelm Weber wurde. Sosehr die Webers also Teil des Dorfes waren, sosehr achteten sie darauf, dank ihres Reichtums, sich von den übrigen Familien abzuheben. Woher kam dieser Reichtum?

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Während die Limbacher als Handwerker, Landwirte, Bergleute, Hütter, Knechte, Mägde oder Tagner mehr oder weniger wohlhabend waren, wurde der Abstand zwischen den Webers und der übrigen Bevölkerung immer größer – dank ihres Wohlstandes: Die Einnahmen aus der Mühle und der Landwirtschaft stiegen kontinuierlich. Schon ihr Stammvater legte den Grundstein. Als dieser Johann Jakob Weber, der von der Mühle in Knopp auf der Sickinger Höhe kam, 1774 Eva Maria Cron heiratete, brachte diese Tochter Ludwig Crons (+1797), des Erbbeständers der Limbacher Mühle, sage-und-schreibe 89 Morgen Acker-, 15 Morgen Wiesen-, 4,5 Morgen Gartenland in die Ehe mit – wohlgemerkt zusätzlich zur Mühle. Beider Söhne wurden zu Vorfahren der Limbacher und Alstadter Webers, aus denen Christian und Wilhelm Weber hervorgingen.

Da also der Betrieb mit seinen beiden Standbeinen von Anfang an florierte, konnten die Webers zusätzlich Land zukaufen und den Betrieb und Wohnbereich baulich erweitern: Das Ergebnis ist das heutige Ensemble, an dessen Stattlichkeit mühelos der Wohlstand der früheren Besitzer abgelesen werden kann. Die Industrialisierung, in deren Gefolge die Zuwanderung im Saarraum und damit die Nachfrage nach Produkten des Landwirtschafts- und Mühlenbetriebs stieg, kam diesem wirtschaftlichen Aufschwung zusätzlich zugute. Die Webers, tüchtig und einfallsreich wie sie waren, lieferten Mehl bis zur luxemburgischen Grenze, sogar Grubenkantinen (z. B. in Frankenholz und in Heinitz) gehörten zum Kundenkreis. Diese Steigerung der Produktion brachte es mit sich, dass die Familie den Betrieb aufteilte: Friedrich Otto betrieb die Landwirtschaft, Karl die Mühle. Beider Familien konnten von den jeweiligen Einnahmen standesgemäß leben.

Von diesem wirtschaftlichen Erfolg profitierte übrigens der ganze Ort: Als Knechte, Mägde und Gesellen kamen die Einheimischen in Lohn und Brot, die hiesigen Handwerksbetriebe, wie Wagner, Schreiner, Schmiede und Sattler waren auf die Aufträge des Weberchen Mühlen- und Landwirtschaftsbetriebes angewiesen. Die Webers waren im Dorf wer, sie wussten es, kehrten es allerdings nicht allzu aufdringlich nach außen.

Diese Bedeutung und diese Einstellung widerspiegelt das Familiengrab (hier Bild Webergrab Gesamtansicht) Monumentalität und Dekor suchen im Dorf ihresgleichen, dennoch wirkt das „Bauwerk“, wie gesagt, nicht überladen, nicht protzig: Die Symmetrie der Maße (s.o. die 2,20m) und der übrigen Details, die sich wie ein roter Faden durchzieht, erzeugt Ausgewogenheit und Harmonie: Die Vertikale (der Säulen) und Horizontale (der Gesimse) wechseln sich ab, schmale Nischen entsprechen breiten Nischen, der Muschel (im Architrav) antwortet das – stark beschädigte – Relief unterhalb des Mittelteils (Man erkennt noch zwei Löwen, die, aufrecht stehend, das Mühlenrad mit Handwerksgerät flankieren). Aus der Ebene ragen die Säulen, die durch Kanneluren, Basis und Kapitelle gegliedert sind, vor, die Nischen und Reliefs springen zurück. Dieses Vor- und Zurückspringen und die dreiteilige Aufgliederung, bekrönt vom Dreiecksgiebel nehmen dem Sandstein die Schwere. Auftraggeber und Bildhauer hatten sich offensichtlich vorgenommen, ein Werk zu schaffen, das handwerkliches Können und Sinn für Ästhetik vereinigt mit dem Ziel, den Eindruck des Monumental-Wuchtigen zu mildern.

Solange dieses Webersche Grabmal die eingangs erwähnte pflegliche Behandlung erfährt und damit erhalten bleibt, ist es aussagekräftig, Limbach verfügt über ein steinernes Geschichtsbuch: Richtig darin gelesen, zeugt es von der wirtschaftlich-politisch-sozialen Situation Limbachs im 19. Jahrhundert am Beispiel einer Familie, deren Mitglieder eine zentrale Rolle im Dorf spielten; zwei seiner Mitglieder stiegen zu Persönlichkeiten auf, die weit über die Umgebung hinaus Bedeutung erlangten: Christian Weber auf dem Gebiet der Wirtschaft, Wilhelm Weber auf dem Gebiet der Kultur. Die Gelegenheit, an diese zwei überragenden Persönlichkeiten zu erinnern, legt der Zusammenhang nahe, zumal die Gefahr des Vergessens mit der Zeit immer realer wird, was bedauerlich wäre. Dies ist im Folgenden zu begründen.

Der Altstadter Christian Weber, Enkel der Limbacher Müllerfamilie Weber-Cron, wurde 1935 vom Homburger Stadtrat die Ehrenbürgerschaft verliehen, eine Auszeichnung, in deren Genuss bis heute nur drei Personen kamen. Er war damals 95 Jahre alt. In den Jahren zuvor hatte er durch sein Wirken Homburg mitgeprägt, zugleich hatte er Prinzipien gelebt, die seinen Erfolg als Unternehmer erklären:

  • Homburg war im 19. Jahrhundert ein bäuerlich geprägtes Landstädtchen, die Webersche Gründung der Karlsbergbrauerei war der Auftakt zum Industriestandort.
  • Christian Weber fing bei Null an, sein Aufstieg basierte auf unermüdlichem Fleiß, Einfallsreichtum und Wagemut – er war im Wortsinn ein „Unternehmer“.
  • In Homburg gab es zahlreiche Brauwirtschaften/Brauereien, alle außer Christian Webers Brauerei gingen ein. Dieser Verdrängungswettbewerb hält bis heute – zunächst saarlandweit, dann bundesweit – an. Wie man dabei „überlebt“, hat er vorgemacht. Sein „Geheimnis“: Auf alle Herausforderungen sachgemäß, d.h. mit Investitionen in die neueste Technik und damit ständig steigender Produktivität und nie nachlassender Qualität antworten.
  • Eine genauso wichtige Rolle spielt die Investition in die Mitarbeiter. Indiz: Noch heute zeichnet die Karlsbergbrauerei jährlich Mitarbeiter für langjährige treue Dienste aus. Diese Tradition, geboren aus der Erkenntnis, dass der Erfolg eines Unternehmens auch von der Identifikation des Mitarbeiters mit demselben abhängt, hat Christian Weber eingeführt
  • Wenn Kapital und Arbeit nicht unversöhnlich gegenüberstehen, sondern sich bedingen, gar zu Partnern werden, ist der Arbeitsfriede gesichert. Christian Weber hat diesen Zusammenhang, nicht zuletzt mit der Gründung eines Unterstützungsstocks für Betriebsangehörige erkannt. Die darüber hinausgehende politische Dimension war ihm gewiss bewusst.

Wie kam es zu dieser „Philosophie“ Christian Webers?

Christian Weber ist am 4. Februar 1840 in Altstadt als Sohn des Johann Peter Friedrich Weber und dessen Ehefrau Charlotte Bach geboren worden. Sie waren Besitzer eines ansehnlichen Hofgutes (heute Ortsstraße 10), die Großeltern von Christian waren die Besitzer der Limbacher Mühle, Johann Jakob Weber und Eva Maria geb. Cron. Mit dreizehn Jahren begann der Junge seine Lehrzeit in der Lebensmittelhandlung Heinrich Scharpff in Homburg. Obwohl er so klein war, dass er anfänglich nur auf einem Schemel stehend über die Theke hinwegschauen konnte, bewährte er sich mit der Zeit so, dass ihm der Lehrherr, wenn er ausging, die Kasse anvertraute. Bei dem Jungen war sie sicher: Er versteckte sie nämlich in der Nacht unter seinem Kopfkissen. Nach zwölf Jahren zog sich der kinderlose Patron aus dem Geschäft zurück, seinen Laden bot er Christian zum Verkauf an.

Damit begann eine einzigartige unternehmerische Karriere: (hier Bild Christian Weber in mittlerem Alter)

  • Christian Weber machte sich ans Werk: Er begnügte sich nicht mit dem Homburger Markt, auch nicht mit dem Angebot: Mit einem, bald mit mehreren Wagen belieferte er die Umgebung bis auf die Sickinger Höhe mit einem erweiterten Sortiment, wozu auch Stoffe gehörten. Aus der Lebensmittelhandlung wurde ein gut gehender Gemischtwarenhandel, der ständig expandierte.
  • Als am 28. Mai 1878 die Versteigerung der Jakoby`schen Brauerei anstand, war es schwer, angesichts der Konkurrenz (es gab damals in Homburg noch zwölf Betriebe mit Brauberechtigung) und der zu erwartenden Kaufsumme einen Bieter zu finden. Christian Weber, seit 1872 mit Maria Luise Ritter aus Oberhausen (Sickinger Höhe) verheiratet (aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor), war denn auch der einzige, der es wagte, dabei auch das nötige Kapital zusammen hatte. Für 57.0000 Mark erhielt er den Zuschlag. Der Steigpreis war innerhalb von acht Jahren zu entrichten. Solidarbürge war übrigens sein früherer Lehrherr und jetzige Rentner Heinrich Scharpff – einen schöneren Vertrauensbeweis kann man sich nicht denken, sagt er doch viel über den Menschen Christian Weber aus. Das Honorar des zuständigen Notars Friedrich Bartels betrug übrigens sieben Pfennig pro Mark, also 3990 Mark. Zum Vergleich: Ein Hauer der Grube Frankenholz verdiente ca. 1200 Mark im Jahr.
  • Mit gewohnter Energie ging Christian Weber zu Werk: 1884 konzentrierte er den Betrieb, der an drei Stellen verstreut war, in der Deutsch Gass, der heutigen Karlsbergstraße, er gab ihm den Namen „Bayerische Bierbrauerei zum Karlsberg von Christian Weber“. Er war mittlerweile zum Hauptlieferanten für Homburg und Umgebung geworden, auch die Gastwirtschaft des Jakob Brill vom Limbacher Höfchen gehörte, nebenbei gesagt, zu seinen Kunden. 1896/97 betrug der Bierausstoß schon 46.000 hl, bei Kriegsanfang 80.000.
  • Die Konzentration an einen Ort und die Aufwärtsentwicklung machten ständig Neubauten und Umbauten, auch im Hinblick auf zu erwartende Expansionen, nötig. Weitsichtig wie er war, ließ er z.B. in einer Zeit, als der Bierausstoß noch bei 45.000 hl lag, ein Dampfsudhaus mit einer Leistung von 90.000 hl bauen. Dass Christian Weber, angefangen mit dem Steigpreis, diese Investitionen immer wieder aufbrachte, ist ein Wunder, gewiss hat es mit seiner Sparsamkeit zu tun, aber auch mit dem Vertrauen der Kreditgeber in den „ehrbaren“ Kaufmann. Doch 1897 war auch er gezwungen, auf Fremdkapital zurückzugreifen, daher die Umwandlung der Brauerei in eine dementsprechende Rechtsform: Bayerische Bierbrauerei zum Karlsberg, vormals Christian Weber, Aktiengesellschaft.
  • Das inzwischen erweiterte Vertriebsnetz bis nach Luxemburg und Lothringen erforderte den Umstieg auf moderne Verkehrsmittel: Neben dem traditionellen Transportmittel, den Pferdefuhrwerken, stieg die Brauerei auf die Eisenbahn um, indem 1899 eigene Waggons erworben wurden, 1910 wurde der erste Lastkraftwagen zum Preis von 21.000 Mark angeschafft, 1913 kam ein weiterer hinzu.
  • Als nach dem 1.Weltkrieg Lothringen nach Frankreich kam und das Saarland vom Deutschen Reich abgetrennt wurde, verlor die Brauerei ihre Absatzgebiete im Westen und Osten, dennoch ging die Aufwärtsentwicklung weiter. 1928, im 50. Jubiläumsjahr, betrug der Ausstoß 114.000 hl, die Zahl der Mitarbeiter umfasste 125, der Fuhrpark verfügte über 20 Kraftwagen, 25 Pferde und drei Güterwagen.
  • Der Aufsichtsrat beschloss zu Ehren des Gründers, den Unterstützungsfonds für Mitarbeiter von 200.000 Frs. auf 500.000 Frs. zu erhöhen und ihn als „Christian-Weber-Stiftung“ zu benennen, 1935 erfolgte nochmals eine Erhöhung, nämlich auf eine Million Frs.
  • 1935 verlieh der Stadtrat dem 95jährigen das Ehrenbürgerrecht mit der Begründung „in Anerkennung seiner Verdienste um die Stadt Homburg“. Dabei dachte der Stadtrat in erster Linie an die industrielle Entwicklung Homburgs, die mit Gründung der Karlsbergbrauerei eingeläutet wurde (der nächste industrielle Betrieb war die 1902 gegründete Schraubenfabrik Roth und Schüler, aus der die Neunkircher Eisenwerk AG, Werk Homburg hervorging), aber auch an die Betätigung im öffentlichen Leben: So war Christian Weber 28 Jahre Mitglied im Stadtrat. 1889 lautete das Wahl-Ergebniß(!): Wahlberechtigt waren 481 Personen; von diesen machten 313 oder 65 % von ihrem Wahlrecht Gebrauch: Zu Stadträthen(!) wurden gewählt: 1. Holländer Jakob, Bäcker 289 Stimmen 2. Weber Chr., Brauereibesitzer 283 Stimmen. Insgesamt zogen 22 in den Stadtrat ein. 1904 rangierte Christian Weber an 3. Stelle der Wählergunst, vor so stadtbekannten Namen wie: Friderich Ludwig, Mauerermeister (4. Platz), Cußler Georg, Drechsler (13.), Schäfer Jakob, Kaufmann (17.), Leyser Karl, Eisenhändler (24.), Euler Jakob, Wirt (25.), Kuntz Karl, Sägewerksbesitzer (27.), Leschhorn Theodor, Wirt (29.). 1878 war er Gründungsmitglied des TV Homburg, 1882 erstes Ehrenmitglied:

Als Christian Weber am 21.11.1939, drei Monate vor seinem 100. Geburtstag, in Heidelberg, wohin er zu Beginn des 2. Weltkrieges 1939 aus Homburg evakuiert wurde, verstarb und in Homburg beerdigt wurde (Hier Bild: Christian Weber-Grabmal), endete ein exemplarisches Leben: exemplarisch,

  • weil dank seiner Führung, basierend auf vorausschauender Betriebspolitik, die Firma alle Stürme der Zeitläufte überstand, ja gestärkt aus ihnen hervorging. Die Karlsbergbrauerei ist heute eine der großen Privatbrauereien in der BRD.
  • weil er bis ins hohe Alter für die Firma lebte. Dieses Vorbild blieb für die Familie Ansporn, es ihm gleichzutun. Geleitet haben die Karlsbergbrauerei, die in Familienbesitz blieb, bis heute direkte Nachkommen.
  • weil sich jahrzehntlang der Öffentlichkeit zur Verfügung stellte. Es waren Integrität und Sachkunde, die ihm beim Wähler einen großen Vertrauensvorschuss gewährte, indem er ihn mit hohem Stimmenanteil in den Stadtrat entsandte. Auch eiferten seine direkten Nachkommen seinem Vorbild nach – bis heute.

Nach Christian Weber, der in seiner Wahlheimat Homburg beerdigt ist, ist seit 1975 der Platz in der Talstraße benannt. Viele Zeitgenossen werden sich fragen: Warum? Die Begründung mag der vorliegende Text liefern.

Nun zu Wilhelm Weber, dem Ururenkel der Limbacher Müllerfamilie Weber-Cron. Als eram 30.12.1999 verstarb, legte die Familie ein Kondolenzbuch auf. Eine der vielen (prominenten) Würdigungen lautete so: „Er war einer von denen, der sich in der Welt zu Wort meldete und Gehör fand. Ein großer Mensch, der dieses Jahrhundert mitgeprägt, ist mit diesem Jahrhundert gegangen“. Ein anspruchvolles Wort, das es zu belegen gilt.

Er wurde am 20. Juni 1918 in Limbach geboren, wuchs in der Mühle, die damals noch in voller wirtschaftlicher Blüte stand, auf. Nach dem Abitur 1937 – die Mühle war nun nicht mehr im Besitz der Webers – wurde ihm das Stipendium „Studienhilfe des deutschen Volkes“ zuerkannt, konnte es jedoch nicht aufnehmen, da er zum Militär eingezogen wurde. Kriegsdienst leistete er von 1939 bis 1943, nahm dann nach Befreiung vom Dienst infolge schwerer Tropenkrankheit das Studium an der Akademie für bildende Künste in Dresden auf, wo er die Bombardierung am 13.2.1945 erlebte. 1947 setzte er sein Studium der bildenden Künste in Paris, 1949 in Rom fort. Nach seiner Rückkehr aus dem Ausland studierte er in Heidelberg Kunstgeschichte, Archäologie und Philosophie, 1953 wechselte er an die Uni Saarbrücken. 1960 wurde er Kustos der Pfalzgalerie Kaiserslautern, 1965 deren Direktor, ab 1978 leitete er das Mittelrheinische Landesmuseum in Mainz. An der Uni Mainz hielt er Seminare in Museumskunde ab, an der Uni Kaiserslautern, wo er zum Honorarprofessor ernannt wurde, hatte er einen Lehrauftrag „Kunstgeschichte“. Er ist beerdigt in Mainz, am Limbacher Webergrabmal erinnert eine Steinplatte an ihn.

historisches Grabmal, Weber, Karlsberg, Friedhof Limbach, Steinmetz, sculptor, sculpture, stonemason, historical tomb, gravestoneDas ist in dürren Worten ein Abriss einer Vita, die tiefe Spuren hinterließ. Er hatte, vorneweg sei es gesagt, viele Begabungen: Er war ein excellenter Maler, wie wir aus einem Vortrag von Hermann Th. Juncker (Juni 2001) wissen, er war ein ideenreicher Anreger und Spurensucher, der in Vorträgen seine Zuhörer in den Bann schlug; er war ein „Museumsmagier“ (eine Formulierung Junckers) mit Kontakten zu weltberühmten Kunstsammlern und zeitgenössischen Künstlern (noch lebende oder jüngst verstorbene), er war ein akribischer (Kunst)Forscher.

Den Limbachern ist wichtig: Obwohl Kosmopolit ließ er die Verbindung mit seinem Geburts- und Heimatort nie abreißen. Er kam immer wieder hierher, um Vorträge zu halten, noch in den 90er Jahre, nun in der von der Gemeinde angekauften Mühle, deren Nutzung er mit Interesse, auch mit Ratschlägen, verfolgte.

Nach dem Krieg wohnte Wilhelm Weber wieder in Limbach. Sofort, und von an immer dort, wo er sich niedergelassen hatte, ergriff er die Gelegenheit, sich mit dem „genius loci“ vertraut zu machen und darüber zu schreiben. Anlass war die 700-Jahrfeier der prot. Kirche im Juli 1949. Er befasste sich intensiv mit ihrer Geschichte, hielt ihr Inneres (Kanzel und Baldachin) und Äußeres mit dem Zeichenblock fest. Die Veröffentlichungen darüber schafften einen rationalen Zugang zum historischen Wert der Kirche, mit seinen filigranen Zeichnungen veranschaulichte er die Schönheit dieses Kleinods. Von nun an sah die Bevölkerung ihr Kirchlein mit neuen Augen. Das Gleiche, nämlich Blick in die Geschichte plastisch gemacht mit Zeichnungen, tat er mit der Limbacher Mühle. Auch dieses Gebäude erfuhr einen neuen Stellenwert, nicht zuletzt deswegen wurde der Ankauf durch die Gemeinde allgemein begrüßt.

Der ganze Wilhelm Weber zeigte sich schon in seinen Anfängen in Limbach.

Der Forscher: Greift er ein Thema auf, beschäftigt er sich intensiv mit ihm, schreitet dann zur Veröffentlichung schritt. Da er fesselnd schreiben kann, gelingt es ihm, die Menschen zu interessieren, im Fall prot. Kirche, für das historische Bauwerk zu sensibilisieren.

Der Maler/Zeichner: Er „sah“ mit den Augen des Geistes, eine Fähigkeit, die gerade Künstler auszeichnet. Mit seinen Zeichnungen der Kanzel und des Baldachins (hier Bild: Kanzel mit Baldachin, gezeichnet von Wilhelm Weber) öffnete er auch den Mitbürgern die Augen. Schon der Gymnasiast hatte übrigens das Bedürfnis zu zeichnen: Wenn er morgens auf dem Weg zur Schule im Zug saß und die Mitschüler sich unterhielten oder Aufgaben machten, skizzierte er die Arbeiter, die, müde von der Nachtschicht, vor sich hindösten.

Der Spurensucher: Meist greift er solche Themen auf, die verschüttet sind oder noch nie angepackt worden sind. Die Erinnerung an Theobald Hock, dem vielleicht größten Sohn der Gemeinde, war verblasst. Manche wussten, dass er der Verfasser des „Schönes Blumenfeld“ war, mehr nicht. Wilhelm Weber hat ihn wieder „ausgegraben“, aber nicht nur als Verfasser eines literarisch bedeutsamen Gedichtbändchens herausstellte, sondern auch in seiner Rolle als Vermittler zwischen den Protestanten im Vorfeld des 30jährigen Krieges: Frucht seiner Spurensuche: Ausätze in der Saarbrücker Zeitung und ein Vortrag am 5.10.1958 auf Einladung des Volksbildungswerkes Limbach aus Anlass des 325jährigen Geburtstages von Theobald Hock. Das ganze Dorf hatte sich eingefunden. Seitdem nahm Theobald Hock einen neuen Stellenwert bei der Bevölkerung ein. Die Benennung eines Platzes, einer Straße und eines Gemeindehauses nach Theobald Hock ist Folge seiner Spurensuche.

In Limbach wohnt er nur kurzzeitig, nämlich bis 1951. Wo er sich von nun an aufhält, entwickelt er Initiativen, gepaart mit Einfallsreichtum. Dabei greift er immer auch, wie in Limbach, örtliche Themen auf

In den 50er mischt er in Homburg als Leiter des Verkehrsvereins, Betreuer des Museums und Vorsitzender des historischen Vereins das kulturelle Leben auf. Als Organisator von Ausstellungen, z.B. einer frühen Slevogt-Ausstellung, macht er sich erstmals einen Namen. Auf dem Schlossberg, als Ort des sagenhaften Karlsbergschlosses und des „größenwahnsinnigen“ Erbauers bekannt, bietet es sich an zu recherchieren. Dank seiner Grabungen, gesponsert von der Karlsbergbrauerei, (hier Bild Wilhelm Weber mit seinem Sponsor Paul Weber) stößt er auf umfangreiche Fundamente: Er stellt sich die Frage nach dem Sinn und Zweck des sich dahinter verbergenden riesigen Schlosses. Nach jahrzehntelanger Forschung kommt er zu einer Neubewertung Herzog Karl Augusts II.: Als potentieller Nachfolger des Kurfürsten Karl Theodors von der Pfalz und von Bayern hat er Anspruch und „braucht“ er, so Die These Wilhelm Webers, eine solch repräsentative Residenz, die „Geldverschwendung des „Hundskarls“ relativiert sich so. Frucht seiner Spurensuche ist das 1988 in Homburg erschienene Buch „Schloss Karlsberg“. Architekt des Karlsbergsschlosses ist – auch dies eine Webersche Erkenntnis – übrigens Johann Christian Mannlich. Nach diesem „Kunstförderer und Erzieher“, so der Titel eines Aufsatzes von ihm, ist das ehemalige Homburger Mädchengymnasium benannt: Der Name „Christian von Mannlichgymnasium“ ist nicht zuletzt sein Verdienst.

Sein zweites wissenschaftliche Hauptwerk ist das auch ins Englische und Französische übersetzte zweibändige Standardwerk über die Geschichte der Lithografie.

Siebenpfeifer und Wirth haben von Homburg aus agiert – für Wilhelm Weber Anlass, sich mit diesen „Männern von Hambach“ in Wort und Schrift zu beschäftigen.

1960 wechselte Wilhelm Weber an die Pfalzgalerie nach Kaiserslautern, zunächst als Kustos, dann von 1965 bis 1978 als Leiter. Es gelang ihm, das bislang unbedeutende Museum mit hervorragenden Werken der deutschen und der französischen Moderne auszustatten und mit Ausstellungen bekannt zu machen. Hilfreich beim Sammeln war die Freundschaft mit Künstlern wie Purrmann oder Dix, vor allem mit dem Picasso-Vertrauten und –Händler Daniel-Henry Kahnweiler, einem gebürtigen Pfälzer.

Höhepunkt seiner Museumstätigkeit (Hermann Juncker nennt ihn Museumsmagier) war die Direktion des Landesmuseums in Mainz. In der FAZ heißt es dazu: „Großartig fanden wir seine Neueinrichtung dieses großen Hauses mit der Abteilung für Römische Kunst, für jüdische Kunstobjekte, für Mittelalter und Neuzeit und seine Neuerwerbungen“, z.B. Werke von Picasso und Chagall. Auch hier kamen ihm seine Verbindungen zu Peter und Irene Ludwig, einem Industriellen- und Kunstsammlerehepaar, zustatten. Seine Erfahrungen als langjähriger Museumsdirektor macht sich die Gutenberguniversität zu nutze, indem sie ihm den Lehrauftrag für Museumskunde erteilt. Einen solchen, nämlich für Kunstgeschichte, nimmt er seit 1970 an der Universität Kaiserslautern wahr, die ihn 1978 zum Honorarprofessor ernennt.

Es wäre über die zahlreichen Aktivitäten Wilhelm Webers noch viel zu berichten: Bis zu seinem Tod betätigt er sich als Autor vieler kunsthistorischer Schriften und Bücher, schreibt Katalogbeiträge, hält Vorträge in vielen Städten, ist freier Mitarbeiter der FAZ und der Welt am Sonntag, organisiert und eröffnet Ausstellungen, so z. B. 1993 als Vorsitzender der „Pfälzischen Sezession“ (von 1983 bis zu seinen Tod) und der „Vereinigung der Pfälzer Kunstfreunde“ die Sonderausstellung „70 Jahre Arbeitsgemeinschaft Pfälzer Künstler in der Pfalzgalerie. Zeitlebens gilt seine Aufmerksamkeit den herausragenden Künstlern seiner Region: Slevogt, Weisgerber, Purrmann. Sogar mit so weltbekannten Malern wie Picasso, Chagall und Salvador Dali nimmt er Kontakt auf und besucht sie mit seiner Frau Ursula. Trotz dieser Weltläufigkeit behält er seine Anhänglichkeit zu seiner alten Heimat: Immer wieder besucht er Limbach, fragt nach dem Mühlenkonzept, freut sich, wenn bei besonderen Anlässen der Schreiber dieser Zeilen in seiner Funktion als Ortsvorsteher auch anwesend ist. Eine solche Gelegenheit war z.B. Webers 75. Geburtstag. Ort der Feier: die Uni Kaiserslautern. Wilhelm Weber hielt einen hochgelehrten Vortrag über die Entwicklung der Darstellung der Persönlichkeit in der europäischen Kunst von der Antike bis heute. Anschließend wurden Grußworte gesprochen: von Vertretern der Uni Kaiserslautern und Mainz, der Kultusministerien von Rheinland-Pfalz und des Saarlandes, mehrerer Kunstvereine und Museen, auch vom Vertreter Homburgs und Limbachs. Die Persönlichkeiten, die Wilhelm Weber die Aufwartung machten, zeigte mir, welchen Stellenwert er in der Welt der Kultur einnahm. Diesem großen Sohn Limbachs wäre es angemessen, eine Straße oder ein Gebäude nach ihm zu benennen – nach dem Vorbild Theobald Hocks.


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