Reisebericht: Lichtkulturen – Symposium in Marokko

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Eine künstlerische Dienstreise in eine andere Kultur

Im Oktober letzten Jahres wurde ich überraschend zu einem Kunst-Symposium in Marokko eingeladen.

Die Einladung habe ich durch sie Empfehlung eines palästinensischen Freundes bekommen: Mohammed Ali Deep, ein professioneller Tänzer, geboren in Damaskus und als Flüchtling nach Saarbrücken gekommen.


Schon in der Vorbereitung zeigte sich die schwierigste Herausforderung: konkrete Absprachen waren schier nicht wirklich möglich, und hätte unser arabischer Freund nicht so die Nerven behalten, wäre ich ganz bestimmt nicht dort hin gefahren.
Nach einigen Telefonaten über den Facebook-Messenger hatte ich den Eindruck, dass die Veranstalterin mit viel Elan aber relativ talentfrei im Organisieren an der Sache arbeitet. Dieser Eindruck hat sich dann vor Ort bestätigt. Um Land und Leute kennen zu lernen war das allerdings kein Nachteil. So kam es also, dass ich mich auf diese kulturell-künstlerische Reise eingelassen habe – etwas zwischen Dienstreise und Exkursion, was es sicher am wenigsten trifft, war „Urlaub“ –  weshalb das so war, werde ich in meinen Berichten erzählen.

Koffer suchen

Notizen von der Vorbereitung

Wir fliegen mit einer Billigfluggesellschaft. Die Entscheidung ist nicht in erster Linie wegen des Geldes, sondern wegen den Flugterminen. Mit den anderen müssten wir morgens um 5 hier los oder sowas.

Die Gesellschaft hat aber besondere Masse für´s Handgepäck. Unsere kleinen Handgepäckkoffer sind dafür zu groß.

Jetzt müssen wir erstmal schauen, ob wir genügend Taschen und so´n Zeug haben, in denen wir unsere Sachen unterbringen können … weil: in die Koffer muss die Kunst.

Rückblende

ein kleiner Bericht, der auf dem Heimflug entstanden ist

‚Wann geht dein Flug?‘ 

‚Um 7 Uhr morgen Abend‘ antwortete ich, und hätte mir am liebsten gleich auf die Zunge gebissen, weil ich versehentlich die Wahrheit gesagt hatte.

Eigentlich wollte ich halb 6 sagen, damit ich bei Zeiten am Flughafen bin.

Das passiert mir nie wieder.

Vorgesehen war, dass um 18:45h das Gate schließt.

Was soll ich sagen: 

Um 18:41h passierte ich den Zoll.

Ich war nicht ganz die letzte Passagierin an Bord. 

Marokko jetzt wieder aus dem Flugzeug zu sehen löst eine Reihe unterschiedlicher Gefühle aus. Ein bisschen habe ich mich verliebt in das Land und in einige der Menschen, die ich auf meiner Reise kennengelernt habe.

Andererseits freue ich mich wieder auf die Ruhe, das nachts schlafen, darauf, meinen Tagesablauf selbst zu bestimmen, die Unabhängigkeit und auf meinen Liebsten, der mich heute Nacht am Flughafen abholen wird. Pünktlich, wie ich ihn kenne. Nicht erst zwei Stunden später.

Ich freue mich auch, heute Nacht nichts mehr essen zu müssen und auf unser ungechlortes Leitungswasser.

Der Gedanke an zu Hause ? erfüllt mich mit Ruhe und Geborgenheit, was die Erinnerung an das Leben, in den vergangenen zwei Wochen – unglaublich, dass es wirklich nur zwei waren – um einiges erleichtert.

Worte dafür zu finden, ist gar nicht einfach. Die Dinge sind anders in Marokko ??, und gleichzeitig genau wie bei uns und überall.

Vielleicht trifft es das Wort ‚Proportionen’ um den wirklichen Unterschied zu fassen.

So, wie sich Safis Ozeanküste vom Ufer des Bodensees unterscheidet: es gibt da kein besser und kein schlechter. Es gibt ein anders. Und ein gleich.

Tradition und Moderne 

Für mich ist der Flughafen in Marrakesh bezeichnend für das ganze Land.

Mein erster Eindruck war schlichtweg überwältigend: wie sich auf der orangeroten Erde plötzlich eine Grossstadt abzeichnet in den selben Farbtönen wie das ganze Land drum rum.

Dann dieses krass schöne Gebäude des Flughafens – in dem sich überall die geometrischen Formen der marokkanischen Ornamente wiederfinden lassen, die mich seit fast 2 Monaten beim Entwurf für die Reliefplatte beschäftigt hatten, die ich für das Symposium geplant hatte, das der eigentliche Grund meiner Reise war. Oder sagen wir mal: der Anlass. Wer weiß schon vom waren Grund einer Reise – oder dem eines Gewässers …

Der erste Eindruck

Angeblich soll er ja nicht trügen, der erste Eindruck. Und ich würde glatt behaupten, dass er das auch diesmal nicht getan hat.

Der zweite Eindruck steht bekanntlich auf einem anderen Blatt.

Außer der unglaublichen Ornamentik, die mich während des Aufenthalts ständig begleitet, und bis zuletzt begeistert hat, fiel mir auf, wie unglaublich sauber und gepflegt der Flughafen war. Der Eindruck hielt sich auch noch auf der Fahrt nach Safi eine ganze Weile. In dem Schnellimbiss-Restaurant, in dem wir dann was gegessen hatten, kam dann der erste Kulturshock. Noch niemals war ich in einem so schmuddeligen Restaurant.

Aber die Einheimischen haben das alle hingenommen, und ich hatte verdammt Hunger, also habe ich die gegrillten Hackdinger probiert.

Und dann konnte ich fast nicht genug davon haben.

Das war echt der Hammer – ich habe es geliebt – und die verschmuddelten Köche und Ober hatten total ihren Spaß daran, mich so reinhauen zu sehen.

Als wir nachts um 1 in Safi bei der Veranstalterin ankamen – ich war etwas verwirrt, weil ich eigentlich dachte, das wir direkt ins Hotel gebracht würden – wartete die mit dem Essen auf uns – ebenso überraschend. Damit war klar: Absprachen stehen in Marokko irgendwie nicht so im Zentrum der Aufmerksamkeit.

zwischen Stress und Müßiggang

Die ersten Tage waren durchwachsen mit unglaublich langwierigem zusammensitzen und Nichtstun. 

Irgendwie kam es mir vor, als würde ich 3/4 von der Zeit, in der ich eigentlich die Dinge vorbereiten wollte, und mich ein wenig erholen, mit Warten auf Irgendwas verbringen. Und mit Essen.

Ständig gab es irgendwelche Malzeiten, die man mitnehmen musste, weil nämlich erst anschließend irgendwas passiert, wodurch es dann weitergehen sollte. Oder vielleicht doch erst nach der nächsten oder am nächsten Tag.

Durch die kollektive Langeweile lernten wir uns überraschend schnell ziemlich gut kennen, sodass ich schon am Abend des ersten Tages das Gefühl hatte, über Marokko erstaunlich viel verstanden zu haben. 

Das Gefühl habe ich auch jetzt beim Heimflug, während sich unter mir mein mit einem immer engmaschig werdenden Lichternetz überzogener Heimatkontinent aus der Nacht schält.

Die Zeit fehlte dann an anderen Stellen. Dadurch, dass verbal nichts geklärt werden konnte – und das lag nicht wirklich an mangelnden Sprachkenntnissen – wurde die Zeit noch enger.

Dinge, die ich unbedingt gebraucht hätte, um die Reliefplatte zu hauen, die ich entworfen hatte, musste ich abgeben, ohne nachprüfen zu können, ob es auch wirklich umgesetzt wurde.

Das klappte dann wie erwartet so ziemlich überhaupt nicht.

Ich hatte ja schon Wochen vorher alles bestellt, und von der Organisatorin die Nachricht erhalten, dass alles bereits vor Ort sei. Als ich zwei Tage nach meiner Anreise gefragt wurde, welchen Material ich haben möchte, war mir klar, dass ich mir den Stress mit der genauen Planung der Platte nicht hätte machen brauchen.

Es gab dann nachher irgendwelche Steine, von denen ich mir dann was aussuchen konnte. 

Und von dem bestellten Werkzeug gab es  statt ne‘m Hammer nen Meißel. Normalerweise wäre das ein guter Grund gewesen, mich zu ärgern. Aber der Meißel war wirklich so liebevoll in ein Plastiktütchen gewickelt, dass ich beschloss, meinen Plan über Bord zu werfen, und mit dem Werkzeug zu arbeiten, dass ich mir im Flugzeug mitgebracht hatte.

Wie gesagt: anders halt.

Wir hatten ja eh nur zwei Tage Zeit – und die auch nur mehr oder weniger.

Bei mir kam dann noch dazu, dass der Wagen mit dem stabileren Tisch erst später kam. 

Durch die geänderten Voraussetzungen blieben mir genau zwei Möglichkeiten: das Projekt aufgeben, und ans Meer fahren, oder komplett den ganzen Plan aufzugeben, und mich auf das einzulassen, was da ist.

Die hatten ein paar Schieferplatten aufgetrieben, und einen Quader aus dem örtlichen Kalksanstein – altes Baumaterial, und ein Traum für eine Arbeit, die schnell mal zwischendurch gehauen werden will.

Allerdings passte der Quader so gar nicht zu dem, worauf ich mich vorbereitet hatte.

Eine der Schieferplatten aber erinnerte in der Aussenform sowie in der Oberfläche an einen Baum.

Ich hatte mich schon vor Jahren gefragt, ob man Schiefer nicht auch als Bildhauermaterial nehmen kann, also wagte ich es.

Mantramässig sagte ich mir immer wieder: ich bin vorbereitet, ich bin vorbereitet, ich bin vorbereitet…

Und zeichnete die geometrisch-ornamentale Struktur auf, die ich immer wieder in die Entwürfen aufgenommen hatte, leitete den Stamm daraus ab, und entwickelte die Proportionen.

Ich wollte die Gratwanderung wagen, das traditionelle Sternenornament meines Gastgeberlandes in meine aktuelle Baumserie einfließen zu lassen – aber nur  gerade so weit, dass es zu erahnen ist.

Der Schiefer stellte sich dafür als ideales Material heraus. Ich tauchte ganz in die Arbeit ein, und wurde richtig kratzbürstig zu allen, die mich davon abbringen wollten.

Ich merkte, wie ich mit meiner Entschiedenheit das Kamerateam beeindruckte, was mir ehrlich gesagt ziemlich schmeichelte. Ich konnte die beiden ziemlich gut leiden, und ihre ruhige, professionelle Arbeitsweise war mir inzwischen ein Anker in den Strömungen des arabischen Durcheinanders um mich rum.

Landeanflug 

Nach einem holprigen aber durch und durch inspirierenden Symposium wurde ich am Schluss meines Aufenthaltes dann auch noch Zeugin eines Verbrechens:

Es stellte sich heraus, dass unsere Beiträge unterschlagen worden sind, und alle Helferinnen und Helfer sowie die Küche und die Autovermieterin um ihr Geld geprellt worden sind.

Die Frau, die dafür verantwortlich war, gab dazu noch eine große Dramavorstellung ab, mit sich fallen lassen und Gekreische, weil die zwar wütende aber doch zierliche Autovermieterin sie im Vorbeigehen gestreift hatte und allem pi pa po. Das Flugzeug schraubt sich gekonnt durch die Wolken zurück auf den Boden des Hunrück. Applaus – wir sind wieder zurück.

Oh leck – Schnee!

Ich freue mich auf meinen Liebsten!

Ausstellungsstücke

Die hier gezeigten Skulpturen können Sie auch online kaufen.

Schreiben Sie uns einfach eine Mail an kunst(at)der-formenpark.de

Ich möchte Ihnen auf dieser Seite einen Einblick in unsere Werke geben, die aktuell zum Verkauf stehen. Einen online-Shop führen wir nicht, und haben das auch nicht geplant. Bildhauerei ist unsere Leidenschaft, und muss sich der Muse fügen. Deshalb wollen wir den Verkauf unserer künstlerischen Arbeiten weiterhin über den persönlichen Kontakt laufen lassen. 
Noch lieber ist es uns, wenn Sie unsere Ausstellungen besuchen, oder wenn Sie (nach Terminvereinbarung) in unserer Werkstatt in Homburg / Saar vorbeischauen.


aus der Serie     Baumquader

Sie finden diese Serie auch auf Instagram unter #formenbaum

Skulptur "Baum" in Belgisch Granit
Skulptur aus „Belgisch Granit“ – ein blaugrauer Muschelkalkstein, der aufgrund seiner Textur an Granit erinnert. Fertigungsdatum: Februar 2018 Maße in cm: 7x10x15 ___________________________________Preis: 350,- € von der saarländischen Bildhauerin Astrid Hilt

Dieser Baum ist eine der kleinsten Arbeiten, der Serie „Bäume“. Die Dicke des Stammes lässt allerdings auf einen sehr alten Baum schließen.
Die Skulptur ist aus einem typischen belgischen Muschelkalk gearbeitet, aus dem auch einige andere Werke aus dieser Serie entstanden sind.

Baumquader no.3   –  Skulptur aus Hessischem Diabas

Baumquader no.3 - Diabas Skulptur aus der Bildhauerei Formenpark
„Baumquader 3“ Hessisch Diabas 2018 Maße (cm) 10x10x20 Preis 250,- €


Diese Skulptur ist ein Experiment mit dem Quader, in dem der Stein geliefert wurde, mit dem Motiv Baum.
Über den Stein:  Hessisch Diabas ist nicht nur als weiteres regionales Gestein in seiner guten ökologischen Bilanz mit Belgischem Blaustein vergleichbar, es ist auch ein ebenfalls so gutes Bildhauermaterial. Der zähe Stein lässt filigranste Bearbeitung zu, und kann sogar in Schmuck verarbeitet werden. Geologisch sind die beiden Steine allerdings sehr unterschiedlich: Während der Muschelkalk durch Ablagerungen im Meer entstanden ist, ist der Diabas ein vulkanisches Primärgestein. Außer in der Entstehung und der mineralischen Zusammensetzung unterscheiden sie sich auch im Alter voneinander: obwohl der Blaustein mit ca. 360 Millionen Jahren für Muschelkalk recht alt ist, hat Hessisch Diabas nochmals ein paar Jahre mehr vorzuweisen: er wird auf 400 bis 450 Millionen Jahre geschätzt.

Baumgruppe no.2  – Skulptur aus belgischem Muschelkalk

Bildhauerarbeit Baumgruppe no.2 - Skulptur aus Muschelkalk
Baumgruppe Belgisch Granit Januar 2018 20x8x26 Preis: 1200,- €

Ein Weg, der sich durch Bäume hindurch in den Wald bahnt. Das war jedenfalls die Idee, die diese Arbeit inspiriert hat. Alles weitere bleibt der/dem Betrachtenden überlassen. 
Das Material ist auch hier der oben beschriebene Belgischer Blaustein. Es gibt bei diesem Stück eine außergewöhnliche Versteinerung, die an eine Bienenwabe erinnert – nun Bienen gab es zu dieser Zeit wirklich noch nicht – sie sind mit den Blühpflanzen erst im Jura-Zeitalter entstanden. Durch Recherchen konnten wir herausfinden, dass diese Versteinerung von einer Koralle kommt namens Michelinia Favosa
 

 Diese Skulpturen wurden in Hilts Ausstellung „Spannung und Harmonie“ ausgestellt.