Kunst und Kunsthandwerk -Zukunftspläne

Kunst und Kunsthandwerk -Zukunftspläne

Vom Kunst-Symposium in Marokko zum Kunsthandwerk – wie wir auf die Idee gekommen sind, Kunsthandwerk aus Marokko und dem Saarland zu vermarkten, ist auch mal wieder eine Geschichte für sich:

Manchmal schickt dir das Leben Menschen über den Weg, die man nach kurzer Zeit sich nicht mehr wegdenken kann. Zu diesen Menschen gehört Nessima. Die junge Frau Anfang 20 war als Assistentin bereits in den Tagen vor dem Symposium mit dabei. Eigentlich hatte sie eher wie eine Besucherin gewirkt und ich kann bis heute nicht sagen bis wann es der schlechten Organisation der Veranstalterin zu verdanken war, dass sie so viel Zeit mit uns rumhängen musste, und ab wann sie es aus Interesse tat.

Irgendwann war es jedenfalls Freundschaft. So richtig gesehen habe ich sie erst bei unserem Besuch im Rathaus, wo wir 2 Stunden in einem verlassenen Büro – sozusagen abgestellt wurden, um auf den Gouverneur zu warten. Während wir älteren mit der Zeit anfingen irgendwelchen Blödsinn zu machen – wir schauten in die Schränke, und freuten uns etwa über das Neunzigerjahre Telefon, das wir darin fanden, sowie über die Kalender von 2006-2011- bemerkte ich die professionelle Haltung dieser jungen Frau. Ich kam nicht drum rum, mir vorzustellen, wie gut sie sich in der Position als Spitzenpolitikerin machen würde. Das war an unserem zweiten Tag in Marokko.

Handbemalte Teegläser von der Dekormalerin Jamila
Ein weiteres Kunsthandwerk im marokkanischen Safi: Dekormalerei, wie z.B. die handbemalten Teegläser
Foto/Bemalung: Jamila

Mittlerweile haben wir die Idee, ein Start-up zu gründen, bei dem es um die professionelle Vermarktung von Kunst und Kunsthandwerk geht. Namen und Logo dazu haben wir schon. Jetzt sind wir dabei, Geschichten zu sammeln, Fotos zu machen und online Marketing-Skills aufzubauen. Mir ist aufgefallen, dass es in der marokkanischen Gesellschaft in dieser Hinsicht noch viel Potenzial gibt. Nessima kann dort regelrechte Pionierarbeit leisten.

Gewürze und Tinnef

Die Idee, lokales Kunsthandwerk aus Safi zu vermarkten, kam ehrlich gesagt von mir. Es gibt dazu eine Geschichte, die ich euch jetzt in aller Ruhe erzählen will:

Es war am vorletzten Abend meines Aufenthalts in Safi. Das Kunstsymposium war vorbei, meine Skulpturen schon in den Kartons, ich war fast fertig, brauchte aber noch etwas Spezielles. Ich hatte meiner Mama versprochen, „Gewürze und Tinnef aus Marokko“ als erweitertes Geburtstagsgeschenk für sie mitzubringen. Also fragte ich Nessima und Youssef, den Fahrer, über den ich auch auf der Seite „Crew“ schreibe, ob sie noch einmal mit auf die Pirsch gehen würden. Das taten sie auch – ein letztes Mal für diesen Besuch, stürzen wir uns ins Treiben auf dem Souk in der Medina. Und dieses Mal so richtig:

Wir handelten was das Zeug hielt, und wer nicht darauf einging, den ließen wir eiskalt abblitzen. In einem Laden habe ich dann aber ganz viel gekauft, ohne zu feilschen. Nessima sagte, “die Preise sind in Ordnung”, und es war auch nicht wirklich teuer. Die Qualität war insgesamt auf dem Markt sehr gut. Also hatte ich mit dem Teil der Gewürze leichtes Spiel. Danach wurde es etwas schwieriger.

Kunsthandwerk in Safi

Marokko und Kunsthandwerk gehören ja irgendwie zusammen. Safi eigentlich bekannt wegen seiner Keramik. Die ganze Stadt ist voll mit wundervoll bemaltem Geschirr, aber davon hatten wir auf unserem ersten Gang schon gekauft. Dadurch, dass ich diese Sachen alle im Handgepäck im Flugzeug mitnehmen musste, musste ich mich zurückhalten. Im Sinn hatte ich so etwas, wie Paradekissen. In einem der winzig kleinen Läden in einem anderen Teil der Stadt hatte ich welche gesehen, und wollte jetzt schauen, was es in dieser Art noch zu entdecken gab. So zogen wir also weiter um die Häuser. Ich hatte noch einmal die Möglichkeit, mich in den alten Gemäuern zu verlieren, und die Altstadt mit ihren dicht gedrängten Bauten, die verwinkelten Gässchen, und dem nur selten freigegeben Blick auf den von Sternen bedeckten Abendhimmel zu erleben.

Portal aus Kalk-Sandstein - historische Altstast Safi (Marokko)
Staubig, stinkig, und unglaublich schön:
die historische Altstadt/ Medina von Safi
Nach wie vor war da noch dieses Problem mit dem Versprechen, das ich meiner Mama gegeben hatte.

Immer wieder schaute ich gierig in die winzig kleinen Läden der Schneider, die gerade mal Platz boten für eine Nähmaschine und den Menschen, der daran arbeitete – keine Ahnung wie die das mit dem Zuschneiden machen, auf so wenig Platz – da fiel, bei einem dieser Lädchen, mein Blick auf die Tücher, die vom Balkon im ersten Stock herab hingen – eigentlich zu hoch, um zur Schneiderei zu gehören – jedenfalls waren sie von einer auffallend guten Qualität.

Nessima und Youssef waren schon etwas weiter gelaufen, sodass ich sie zurückrufen musste. Diese Gelegenheit konnte ich mir nicht entgehen lassen. Nessima fragte den uralten Schneider etwas auf Arabisch, dann sagte sie mir, dass die Tücher sein Neffe mache, und dass wir ins erste Stockwerk gehen sollten. Wir wandten uns also dem engen Treppenaufgang zu, der sich neben dem Lädchen ins Innere der Gemäuer mogelte. Beim Aufstieg der unregelmäßigen Stufen wurde ich in meinem neugierigen Streben abrupt, und etwas schmerzhaft, gebremst: meine Wolljacke hatte sich in einem kleinen, mit der Mauer weiß getünchten Nagel verfangen. Davon aufgeschreckt stieß ich mir saftig den Kopf an der niedrigen Decke – Ja, um Achtsamkeit zu lernen bietet die Altstadt von Safi allerlei Möglichkeit. Und wenn man manch altersgebeugten Menschen sieht, wie er sich durch die engen Gassen kämpft, kann man nur erahnen, welch unbeugsamer Lebenswille in dem geschundenen Körper wohnt…

Aber zurück zu mir, und dem nur kurz gestoßen Körper:

Das Ende der Treppe konnte ich, dank neue erworbener Achtsamkeit, unbeschadet erreichen. Oben angekommen schaute ich mich um, und so fiel mein Blick zwischen herabhängenden Tüchern durch einen Türrahmen hindurch auf den Webstuhl. Ich konnte es kaum fassen, wir waren hier nicht nur in einem Laden für handgewebte Tücher,

Wir waren in der Weberei!

Während ich noch staunte über diesen Handwerksbetrieb, der nicht viel größer war als der enorme Webstuhl selbst und der Raum, in dem die Fäden auf die Rollen gezogen wurden – der nebenbei auch als Verkaufs- und Präsentationsraum diente – jubelte Nassima plötzlich auf. Ich sah, wie sie der älteren Dame, die uns empfing, in die Arme fiel. Es stellte sich heraus, dass die kleine, traditionell gekleidete Frau nicht nur die Schwiegermutter des Webers war, und den Verkauf dieser wunderbaren Tücher unter ihren Fittichen hatte, sondern auch die Mama eines ehemaligen Klassenkameraden Nessimas. „Ich nenne sie Khala (Arabisch für Tante), um ihr meinen Respekt zu zeigen“, erklärte mir Nessima später, als ich gerade wie verzaubert zwischen seidenen Kettfäden und diesen unfassbar schönen Tüchern stand.

Die Qual der Wahl

eine weiche, handgewebte Wolldecke in blau-grün gestreift ist auf den Webrahmen gespannt.

Wegen meinem begrenzten Gepäck musste ich mich natürlich mit dem Einkauf zurückhalten. Ich entschied mich für eine große bunt gestreifte Decke, die nun unser Sofa ziert. Das ganze Wohnzimmer wird dadurch aufgewertet. Einen Schal, der mir einfach viel zu schön war, um ihn dort zu lassen, kam auch noch mit, und für die Oma zwei Kissenbezüge aus Samt … ja, und Seide halt …
Außerdem ließ ich mir vor Ort noch von Nessima das Versprechen geben, dass Sie mir den Kontakt zu diesen Menschen aufrecht erhält, sodass ich nachbestellen kann, wenn ich jetzt zu Hause merken sollte, dass mir noch etwas fehlt. Und so kam es dann auch zu unserer Geschäftsidee: Dinge und Werke mit ihrer Geschichte zu verkaufen.

Damit sind wir auf unsere Idee gekommen,
Kunst und Kunsthandwerk aus unserem Bekanntenkreis zu verkaufen.

Inzwischen sind wir dabei, einen Instagram-Account, die dazu passende Facebook Seite und eine Home-Page vorzubereiten, die in diesem Blog angeschlossen sein wird. Einen Onlineshop werden wir uns bauen, wenn das Geschäft ein bisschen angelaufen ist. Nessima will dann auch weiteres Kunsthandwerk mit einbeziehen und Produkte aus der Region. Wenn wir im April zu dem Kunst-Festival in Khalaad m’Gouna fahren, werden wir auch dort natürlich Ausschau halten nach neuen Kontakten. Mir persönlich schweben die Teppichknüpferinnen in der dortigen Gegend vor. Und natürlich auch das Rosenwasser, für das die Region weltweit bekannt ist. Nessima sagte schon, dass eine Freundin dort diese Produkte verkauft. Schauen wir mal, was die nächste Reise alles so bringt.

handgewebte Decke aus der Weberei in Safi (Marokko) - wir vermitteln auch Einzelanfertigungen.

Und hier gibt es noch mehr Fotos:

Ich bin Gründerin und eine der beiden Geschäftsführer*innen der Bildhauerei Formenpark. Seit 2001 habe ich den Meisterbrief im Steinmetz und Steinbildhauerhandwerk. Außerdem bin ich freischaffende Künstlerin, und stelle seit 2001 aus.

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