II. Reiserückblick: 1. Marrakesch

II. Reiserückblick: 1. Marrakesch

Heute Nacht bin ich – zumindest körperlich – wieder aus Marrakesch zurück im Saarland gelandet. Zusammen mit Peter, einem Bildhauer aus Zweibrücken, und seiner Frau Angelika die Beiden hatten mich diesmal begleitet. Gerade schaue ich zum zweiten mal meine Fotos durch, und lasse die Reise revue passieren. (Gibt es eigentlich den Begriff ´Reisekater´? – wenn nicht, wäre er hiermit erfunden. Ich fühle mich wie nach einer heftigen Party, ihr bekommt diesen Artikel also recht ungefiltert zu lesen.)

´Zeit un Café´in Marrakesh

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Mit dem Tag in Marrakesch fange ich gleich mal mit dem Sahnehäubchen meiner Reise an. Ich war mit Rodi Khalil frühstücken. Der kurdische Maler ist in Damaskus aufgewachsen. Er lebt seit Jahrzehnten in Bremen. Vor drei Jahren bin ich in Facebook auf sein Profil gestoßen. Seine Kunst hat mich auf Anhieb begeistert. Mit seinen naturfarbenen abstrakten Bildern, die mit mystisch anmutenden Zeichen bestückt sind, er nennt sie´Rodigraphy´, hat er es in die Liste meiner Lieblingsmaler*innen geschafft. Dass er auch zu dem Festival kam, hat mich natürlich super gefreut.

Lieblings-Stadt, Lieblings-Viertel, Lieblings-Café
bestes Café in Marrakesch
…wenn man einen doppelten Espresso bestellen will, und die Bedienung einfach besser weiß, was man jetzt braucht…

Als wir am Morgen aus dem schnuckeligen Hotel „Mimosa“ kamen – unser Freund Othman (Facebook) hatte uns das empfohlen, torkelten wir noch etwas schlaftrunken mitten in das morgendliche Treiben im ´Berberviertel´ der Altstadt hinein. Der Name des Viertels zeigt zwar, dass es hier um eine Touri-Sache geht, weil die Amazir den Namen ´Berber´nicht leiden können, die In der Medina ist buntes Markttreiben in den Gassen normal. Besonders schön sind die Angebote allerdings in der Gegend um das Heritage-Museum. Als Orientierungspunkt habe ich mir das Café Shtatto gemerkt. Mit dem kleinen Dachterrassen-Café habe ich meinen neuen Lieblings-Frühstücksort entdeckt. (Google-Maps-Link) Natürlich gibt es auch hierzu eine Geschichte, aber die sollte an einer anderen Stelle erzählt werden.

Auf dem Rückweg zum Hotel Mimosa haben wir ein paar kleine Schlänker durch das Viertel gemacht. Den Fotos zufolge waren wir auf dem „place bab el mellah“, auf dem „Gewürzmarkt“. Was man dort findet ist teilweise atemberaubend – das Kunsthandwerk, die Gewürze, die Seifen – teilweise aber auch schockierend, wie zum Beispiel die eingefangenen Schildkrötenbabys, die Chamäleons und Leguane und die noch lebenden Hühner, die dort in kleinen Käfigen zum Kauf angeboten werden.

Tierwohl

An dieser Stelle ein Tipp für alle Tierfreunde: es gibt auch mindestens ein place bab el mellah„.

Das Thema Tierwohl ist neben der Armut der Menschen und dem ganzen Plastikmüll, der überall rumliegt, für mich so ziemlich das schwierigste, mit dem ich mich bei meinen Marokko-Reisen auseinandersetzen muss. Dabei kann ich mit frisch geschlachteten Ziegenkörpern, die oft vor den Restaurants hängen, recht gut umgehen. Ich bin auf dem Land aufgewachsen und mit Viehhaltung groß geworden.
Die Hühner, die lebend auf dem Markt angeboten werden, sind´ne ganz andere Nummer.
Für die Kleinbauern ist es sicher die beste Lösung – die einzige, um das Problem mit der fehlenden Kühlung zu umgehen, aber den Hühnern und Hähnen sieht man ihr Leid schon sehr direkt an.
Unterm Strich sind die Tiere aus unserer Massentierhaltung mit Sicherheit ärmer dran. Unterm Strich produzieren wir auch bedeutend mehr Plastikmüll – der Unterschied ist, dass man´s in Marokko sieht.

Die Frage der Ausrichtung

Arm und Reich, Tierleid und Kunsthandwerk, Düfte und Gestank reihen sich in den mit Schilfrohrmatten beschatteten Gassen und Höfen direkt aneinander. Man kann sich darin verlieren, wenn man sich nicht an irgendetwas ausrichtet.
Die Museen und Sehenswürdigkeiten geben dazu gute Ziele ab.

Für mich ist es das marokkanische Kunsthandwerk, an dem ich regelrecht den Narren gefressen habe: Im Januar in Safi hatte ich diese Begegnung mit einem Handweber, über die ich bereits geschrieben habe (zum Bericht) Inzwischen bin ich auf den Geschmack gekommen, nach den besonderen Perlen zu tauchen. In Safi habe ich davon zwei gefunden. In Marrakesh stellte ich schnell fest, dass sich hier nochmal ganz neue Dimensionen zeigen.

aus Marrakesh zurück im Saarland  - diesmal habe ich kein Kunsthandwerk mitgebracht, aber Fotos davon, und neue Kontakte.

Mein letzter Abend in Marokko

Am Abend davor hatte ich mich mit Nassima getroffen, die ich in Safi kennengelernt hatte, und mit der ich die Idee für die Vermarktung von ausgesuchtem marokkanischen Kunsthandwerk hatte.
Natürlich hat sich der Plan mittlerweile etwas geändert: Es soll eher ein Netzwerk werden zwischen dem Kunsthandwerk in Marokko und Deutschland, bei dem Kooperationen entstehen können, und gemeinsames Marketing – aber dazu werde ich euch an anderer Stelle mehr erzählen.
Nassima zu sehen war mir ein großes Anliegen. Auf der Hinreise hatte ich einmal bei ihr übernachtet, und sie morgens gar nicht mehr richtig zu Gesicht bekommen. Sie musste zur Arbeit. Umso mehr freute es mich, dass wir es jetzt schafften uns zu treffen.

Hübsches und günstiges Hotel in Marrakesch: Das Hotel Mimosa in der Rue de banques, 16
mit Othman im Innenhof des Hotels
Foto: Rodi Khalil

Ich wartete vor unserem Hotel auf sie. Dadurch hatte ich einen halbe Stunde Zeit, die Stadt auf mich wirken zu lassen. Dieses Gemisch aus unterschiedlichsten Menschen – Junge Leute in Jeans (die Männer mit exakt geschnittenen Bärten), andere in der traditionellen Kleidung der Amazir. Dazwischen immer wieder Frauen mit rosafarbenen Plüschmänteln – für mich sehen sie aus wie Bademäntel, und erinnern mich an den ´Schlafanzug-Look´, dem man im Nauwieser-Viertel in Saarbrücken begegnet. (Es ist nicht wirklich ein Look – Manche Leute sind sort so zu Hause, dass sie in die Kneipe als ihre Küche ansehen, und auch mal in den Schlafklamotten aufkreuzen.)
Es hat ein Weilchen gedauert, und ein paar Worte mit dem jungen Hotelbesitzer, bis mir aufgefallen ist, das ich mich nicht nur willkommen fühlte in dieser Stadt, sondern irgendwie zuhause.
Das hat mich dann wirklich verwirrt.

Über das Nachtleben in Marrakesh…

… kann ich eigentlich noch nicht viel sagen. Wir waren im ´Café de France´. Außer einem schönen Treppenhaus und einem großartigen Blick auf die Medina hat das nicht wirklich viel zu bieten hat.
Wir hatten aber auch so genug zu besprechen: über unsere geschäftlichen Pläne, die Idee mit dem Kunsthandwerk-Netzwerk, und wie man damit Geld verdienen kann.
Nassima hat im Moment einen Job, in dem sie die Kinder reicher Eltern hütet. Sie verdient sich damit ein paar Kröten. Aber es ist nicht wirklich das, was einen talentierte junge Frau erfüllt.
Da muss was anderes her.
Zum krönenden Abschluss des Abends stürzten wir uns dann zum Mitternachts-Imbiss in das legendäre Streetfood-Angebot auf dem Marktplatz.
Ich gehe jetzt gar nicht weiter ins Detail. Nur soviel als Tipp, wenn ihr mal in Marrakesh seid: lasst euch das Essen an den Straßenständen nicht entgehen – Es ist großartig.

Dieser Abend und das Frühstück am folgenden Tag hat mich vollends satt gemacht für dieses Mal. Mit Marrakesh, dem Atlas und mit Marokko an sich bin ich allerdings noch lange nicht fertig. Da gibt es noch so einiges, was ich mir genauer anschauen möchte. Aber halt zu einem anderen Zeitpunkt. Und danach kann ich euch neue Geschichten erzählen.

Ich bin Gründerin und eine der beiden Geschäftsführer*innen der Bildhauerei Formenpark. Seit 2001 habe ich den Meisterbrief im Steinmetz und Steinbildhauerhandwerk. Außerdem bin ich freischaffende Künstlerin, und stelle seit 2001 aus.

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